In dieser aus unserer Sicht durchaus als irre zu bezeichnenden Ära gibt es eine in jeglichen Kontexten wiederkehrende Forderung: die nach „Ehrlichkeit“.
Menschen im allgemeinen, Politiker, Sportlerinnen, der Chef, Musikerinnen: Sie alle sollen ehrlich sein, somit also der Wahrheit die Ehre geben und im Übrigen authentisch, also unverstellt, agieren.
Gerade in den kürzlich durchgeführten Kampagnen im Rahmen der Kommunal- und Landtagswahlen wurde einmal mehr deutlich, dass die vermeintliche Ehrlichkeit von Kandidatinnen und Kandidaten für politische Ämter jede inhaltliche Aussage in ihrer Wirkung übertrifft.
Musikalisch uneindeutig agieren: Anna von Hausswolff, Shake Stew, Andy Scott, Ellen Allien & Apparat, The Blacksmoke Organisation und Belleruche.
Während derzeit die Vorbereitungen für das Trash-Event „European Song Contest“ in Wien laufen und die hiesige Entscheidung gefallen ist, wer Deutschland in diesem – nennen wir es ruhig – Wettbewerb vertreten wird, hat sich dieses Ereignis in den letzten Jahren enorm gemausert. Von einer Bühne teilweise absonderlicher Tanz- und Gesangsvorführungen wurde es in den letzten drei Jahren zudem zu einem Forum für aktivistischen Furor gegen den Juden unter den Staaten, gegen Israel. Die Niederlande, Spanien, Irland, Slowenien und Island boykottieren in diesem Jahr den ESC – weil Israel teilnimmt. Nach dem durch Zuschauer-Voting überraschend guten Abschneiden der israelischen Sängerin Yuval Raphael in 2025 wurde von einer ganzen Reihe von Organisationen und Künstlern der Ausschluss Israels vom ESC gefordert. Yuval Raphael ist übrigens eine Überlebende des Hamas-Massakers auf dem Nova-Festival vom 7. Oktober 23. Bereits ein gutes halbes Jahr nach dem Massaker, beim ESC 2024 in Malmö, brach sich der antisemitische Furor Bahn. Der Sozialwissenschaftler Jakob Baier beschäftigt sich in dem Buch „Judenhass im Kunstbetrieb“ aus dem Neofelis Verlag unter der Überschrift „Malmö ist überall“ mit dem Thema. Auf diesem Text basiert die heutige Sendung.
Musikalische Performances: Billy F Gibbons, Black Eyed Snakes, Eagles Of Death Metal, All Them Witches, Boz Boorer, C.C. Adcock.
Nachdem wir uns im ersten Teil unserer Sendung mit den beiden Ansätzen der IHRA und der JDA zur Definition von Antisemitismus beschäftigt haben, wollen wir uns in diesem zweiten Teil der historischen Entwicklung des Antisemitismus widmen.
Um die beiden recht unterschiedlichen Definitionsansätze bewerten und die teils scharfen politischen Auseinandersetzungen verstehen zu können, sollte man ja den Gegenstand der Definitionen einigermaßen durchdrungen haben.
Dabei wollen wir mit unseren Sendungen Hilfestellung leisten. Auch diese Sendung basiert dabei auf dem diesbezüglichen Text des Historikers Sebastian Voigt.
Ebenfalls Hilfestellungen leisten: Brooke Combe, Saeko Killy, Samara Cyn, Lola Young, Gracie Abrams, KATSEYE und Moloko.
Die Frage, was denn Antisemitismus sei und wie man diesen erkennen könne, wird mit recht unterschiedlichen Beweggründen gestellt. Es mag wenige geben, die sie aus echtem Interesse formulieren.
In der Regel jedoch fungiert diese Frage als rhetorische – um sich selbst und sein Milieu von dem angeblich so vagen Verdacht des Antisemitismus befreien zu können. Denn in vielen dieser Milieus ist das Stigma, man betreibe antisemitische Hetze immer noch mit der Befürchtung verbunden, berufliche oder lebensweltliche Nachteile zu erleiden. Gleichzeitig wollen sich diese Milieus unablässig Gehör verschaffen, zumindest, wenn es um den Staat der Juden, also um den Juden unter den Staaten geht. Seit langer Zeit tobt in diesem Zusammenhang der Streit um eine adäquate Definition antisemitischer Handlungen und der sie vorbereitenden Propaganda. Derzeit wird in der Hauptsache um die Definition der International Holocaust Remembrance Alliance, kurz IHRA, und die Definition der sogenannten Jerusalemer Erklärung gegen Antisemitismus, kurz JDA, gestritten. Die Hintergründe dieser Auseinandersetzung wollen wir in dieser und der folgenden Sendung beleuchten. Nicht zuletzt die Abkehr von der IHRA-Definition durch den neuen sozialdemokratischen Superhelden Mamdani in New York oder auch der Beschluss der Generalversammlung der europäischen Partei Volt, sich nunmehr der JDA-Definition anzuschließen, macht die Aktualität dieser Auseinandersetzung deutlich. Der Historiker Sebastian Voigt hat sich in einem Beitrag, auf dem die Sendungen beruhen, mit den beiden Definitionen beschäftigt.
In die Debatte mischen sich zudem ein: DJ Koze, Faithless, Milk & Sugar & Nomfusi, Quantic, Sofia Kourtesis, Crookers.
Auch in diesem zweiten Teil geht es um die Genese des Verhältnisses rechter und neu-rechter Kreise und Denkschulen in Bezug auf den Staat Israel und das Judentum an sich.
Eindeutigkeiten liefern im Gegensatz dazu: Modern Nature, Panic Shack, Jason Lee Wilson, Debby Friday, CocoRosie, My Baby, King Gizzard & The Lizard Wizard
Neurechte Israel- und Islamdebatten vor dem 7. Oktober
Nach dem 7. Oktober 2023 konnte man den Eindruck gewinnen, dass die einzigen politischen Strömungen, die die Monströsität des vernichtungsantisemitischen Angriffs auf ein hippieeskes Musikfestival und auf den jüdischen Staat seriös einzuschätzen wussten, rechte Kreise waren.
Nachdem sich die globale Linke in der übergroßen Mehrheit von jeglichem kritischen Denken in dieser Sache verabschiedet hat, schien das rechte politische Spektrum das einzige, das diesbezüglich nicht den Verstand verloren hatte. Das schmerzt umso mehr, als dass man viele gesellschaftliche Vorstellungen dieser politischen Richtungen nicht teilt und deren dahinterstehende Grundannahmen weitgehend ablehnt.
Dass auch das rechte und insbesondere neurechte politische Spektrum in der Frage des Verhältnisses zum jüdischen Staat und zum Judentum an sich äußerst ambivalent denkt und agiert, wollen wir in der heutigen Sendung darlegen.
Bzw. darlegen tut das Dr. Matheus Hagedorny in seinem Beitrag „Ambivalente Projektionen – Neurechte Israel- und Islamdebatten vor dem 7. Oktober“, den er in dem äußerst empfehlenswerten Band „Projektiver Antizionismus“, herausgegeben von Karin Stögner und Stephan Grigat in der Nomos Verlagsgesellschaft, veröffentlicht hat.
Musikalischer Support: The Dynamics, Boogaloo Assassins, Monophonics, Orville Peck, The Little Willies, Meridian Brothers, Deep Street Soul, The Hillbilly Moon Explosion
Das Etikett „links“ ist heutzutage fast nur noch das: ein Etikett. Eine in aller Regel gefühlige Selbstverortung, der es an inhaltlichen Konkretisierungen mangelt, die dieses Etikett rechtfertigen würden. Somit ein identitäres Konstrukt zur Distinktion, das das kritische Denken behindert.
Spätestens die Zäsur des 7. Oktobers 2023 hat das global und hierzulande im Besonderen überdeutlich gemacht.
Der Kampf um die Deutungshoheit über linke Konzepte, die eben fortschrittliche gesellschaftliche Entwicklungen versuchen zu formulieren, scheint fast verloren.
Die Linke, wenn man sie generalisierend so bezeichnen mag, hat sich in ihrer übergroßen Mehrheit auf die Seite der Barbarei, der gesellschaftlichen Regression und des unverhohlenen Judenhasses gestellt.
Neben dem kollektiven antisemitischen Furor funktioniert das gefühlige Linkssein in diesen Milieus auch über die Abgrenzung gegen ein ebenfalls diffuses „Rechts“.
Was das dann allerdings sein soll bzw. was diese Einordnung eines häufig nur imaginierten politischen Gegners inhaltlich bedeuten soll, erscheint mehr und mehr schwammig.
Was und wer als „rechts“, als „reaktionär“, als „konservativ“ und warum gilt, welche Genese die begriffliche Unterscheidung zwischen links und rechts historisch durchlaufen hat: diesem Thema wollen wir uns in unserer heutigen Sendung widmen.
Wir greifen dabei auf das Buch „Die Erzählgemeinschaft der Neuen Rechten“ des Soziologen Felix Schilk zurück. Erschienen ist es 2024 im transcript Verlag, Bielefeld.
Musikalisch greifen wir zurück auf Werke von: Molly Nilsson, Lucrecia Dalt, Water From Your Eyes, Warhaus, Father John Misty, Lizz Wright und Placebo
Mit diesem unschönen und zugleich treffenden Titel beschrieb der österreichische Schriftsteller Richard Schuberth Ende Juli in der Wochenzeitung jungle world in einem Essay, wie es einer klerikalfaschistischen Mördersekte gelang, die Bemühungen eines großen Teils der internationalen Linken vom Kampf gegen Kapitalismus und Umweltzerstörung auf den gegen einen Ministaat umzulenken, der als Knotenpunkt aller Weltübel halluziniert wird.
Nun haben wir uns bereits in einer ganzen Reihe von Sendungen mit dieser vernichtungsantisemitischen Bande beschäftigt. Und ebenso mit den erbärmlichen und sowohl politisch als auch moralisch abstoßenden Reaktionen der globalen Linken.
Aber wenn die vormals antideutschen Gruppe „bahamas“ angesichts dieses Artikels Schaum vor dem Mund bekommt und der jungle world in ihrem typisch verdrucksten Duktus eine antiisraelische Kurskorrektur radikalen Ausmaßes vorwirft, dann, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, können wir gar nicht anders, als Ihnen die Gedanken von Richard Schuberth zu Gehör zu bringen. Wir bedanken uns bei ihm für die diesbezüglich erteilte Freigabe und möchten bereits an dieser Stelle darauf hinweisen, dass in diesen Tagen sein neues Buch „Der Paketzusteller“ im Klagenfurter Drava-Verlag erscheint.
Musikalischen Support leisten: Dub Syndicate, Ayhan Sicimoglu, Bia Ferreira, Dubblestandart, David Jahson, Ghanaian Stallion & King Hanny & Zex BilangiLangi, Eva Be, Gentlemen’s Dub Club
Über das Ende der Siebzigerjahre entstandene Ska-Revival und das dafür zentrale Label 2Tone, das von Jerry Dammers in Coventry gegründet wurde. Dammers feierte vor kurzem seinen 70sten Geburtstag.
Das stilprägende schwarz-weiße Schachbrettmuster als Teil der Corporate Identity wies bereits auf eins der Kernanliegen von Bands und Label hin: Black and white, unite!
Natürlich mit der Musik von The Specials, The Selecter, The Beat, Madness
Es ist unsere staatsbürgerliche Pflicht, empört zu sein: Wer auf gerechte Empörung verzichtet, macht sich bestenfalls moralisch verdächtig – schlimmstenfalls ist er hartherzig und egoistisch. Und natürlich muss man empört sein über den erschütternden Mangel an Empörung bei anderen Menschen.