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238 Madonnas letzter Traum

Mehrmals wurde der deutsch-türkische Schriftsteller Doğan Akhanlı verhaftet. Zuletzt 2017 als „terörist“, wie viele Kritiker des Erdoğan-Regimes. „Akhanlı verbrachte zehn Tage in spanischer Haft und zwei Monate unter Meldeauflagen in Spanien, ehe er ausreisen durfte. Das war aber „nicht die erste und schon gar nicht die schlimmste Erfahrung, die er je mit einer Staatsmacht machen musste.“ Wie Deniz Yücel in seinem Nachruf in der Welt schrieb. 

Auf unserem Kongress zu Identitätskonzepten und deren Fragwürdigkeit, „Stolz und Vorurteil“, 2019 in München, war Doğan Akhanlı gemeinsam mit der Journalistin Cornelia Fiedler auf einem unserer Podien. Neben seinen Einschätzungen zu Identität, Ausgrenzung und Heimat hat er dort auch von seinen Erfahrungen mit Haft und Folter gesprochen. 

Am 31. Oktober 2021 verstarb Doğan Akhanlı nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin. Er wurde nur 64 Jahre alt. Die Nachricht von seinem Tod hat uns tief getroffen.

Hier können Sie den Mitschnitt aus dem moderierten Podiumsgespräch auf unserem Kongress „Stolz und Vorurteil“ aus dem Jahr 2019 hören. 

Musik: Fixi & Nicolas Giraud und Sudan Archives

Doğan Akhanlı

Gesellschaftskritik in der Pandemie

eine Diskussion zwischen: Wolfgang Hien, Arbeits- und Gesundheitswissenschaftler, Autor der historischen Studie „Die Arbeit des Körpers“, engagiert bei „Zero-Covid“ und Thomas Ebermann, „Veteran der Gesellschaftskritik“ („Tagebuch“), Autor des Buches „Störung im Betriebsablauf“, Kritiker von „Zero-Covid“.

Freitag, 5. 11.2021 um 19:00 Uhr im Augustiner Bürgerheim, Bergmannstraße 33 

Eine Veranstaltung des Veranstaltungskollektivs Westend in Kooperation mit der Redaktion 17grad und der Antifa NT.

Unkostenbeitrag: 8 € (+ x Spende), 5 € ermäßigt
Es gilt die sog. 2G-Regel (Geimpft/Genesen) in unserem Veranstaltungssaal (Nebenraum im Bürgerheim).

Mehr Infos und Veranstaltungsankündigung unter: 
https://www.facebook.com/events/1514001548962255/?ref=newsfeed
https://www.labournet.de/wp-content/uploads/2021/05/Ebermann-Verhaertung.pdf
https://www.sozonline.de/2021/09/covid-19-und-die-angst-vor-dem-tod/

234 Rassismus für den gehobenen Bedarf (Teil 2)

Photo: Engine Akyurt

Wolfgang Pohrts Autorenleben war eine Art Wippe oder ein Pendel: Man schreibt über das, was los ist – auch in den Köpfen –, es hilft aber nichts, also untersucht man, woher es kommt, dass das Drüberschreiben nichts hilft, publiziert das Resultat, findet abermals kein Echo und so weiter. 

Der stete Wechsel von Zergliederung der Phänomene und Angriff auf sie macht natürlich das stärkste Pferd kaputt. Das gilt besonders, wenn die Arbeit eben doch nicht komplett ignoriert wird, sondern beispielsweise in Hermann L. Gremlizas linker Monatszeitschrift „Konkret“ erscheint und beim vergleichsweise kleinen, aber nicht maulfaulen Publikum dieses Magazins teils Entsetzen und Abscheu, teils Bewunderung und Beifall auslöst, wie die Leserbriefe der fraglichen Zeit belegen. 

Nichts davon konnte Pohrt entschädigen für die immer deutlicher hervortretende Tendenz des Gesamtsozialen zum Zerfall in verrückte und verdummte Trümmer, letztlich in einzelne Irre. Diesen Zerfall nahm Pohrt nicht nur wahr, er konnte ihn auch erklären, ohne ihn im Geringsten be- oder gar verhindern zu können …

2. Teil des Vorworts von Dietmar Dath zum Band  „Rassismus für den gehobenen Bedarf“. Musikalische Begleitung: Alice Phoebe Lou, The Kills, boygenius, Johnny Flynn, Billie Eilish, Punch Brothers, Dry Cleaning.

232 Rassismus für den gehobenen Bedarf

Photo by Dollar Gill on Unsplash
Photo: Dollar Gill

Der Ende 2018 verstorbene Autor Wolfgang Pohrt war Zeit seines publizistischen Schaffens ein scharfer Kritiker antiamerikanischer und antisemitischer Tendenzen in der Linken. 

Seine Polemiken gegen die ideologischen Irrwege linker Wohlfühlmilieus waren nicht selten harter Tobak und er kannte dabei, wie man so schön sagt, keine Verwandten. Stets in gewissem Sinne unterhaltsam aber nicht immer gänzlich nachvollziehbar prügelte er auf Szenen und Gruppen ein, die er für politisch verblendet oder einfach irre hielt. 

Mit der nötigen selbstreflexiven Distanz sind weite Teile seiner Artikel und Vorträge auch heute noch überaus erhellend. 

Der Berliner Verleger Klaus Bittermann sorgt mit seiner „Edition Tiamat“ derzeit für die Wiederveröffentlichung einer ganzen Reihe von Pohrts Vor- und Beiträgen.

In seinem jüngsten Band „Multikulturelle Gesellschaft & Rassismus für den gehobenen Bedarf“ dokumentiert Bittermann zwei Vorträge von Wolfgang Pohrt aus den Jahren 1989 und 92.

Eingeleitet werden die zwei Vorträge in dem Buch von einem umfangreichen Vorwort des Publizisten Dietmar Dath, der den politischen Kontext der Texte einordnet, hilfreiche Ideologeme benennt und an diversen Stellen gleichsam argumentative Fallen kritisiert. 

Da Dath seinerseits ein scharfer Kritiker der deutschen Zustände und durchaus kein fauler Schreiber ist, besteht der genannte Band zu einem Drittel aus eben diesem Vorwort. 

Und dieses, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wollen wir Ihnen in dieser Sendung an die Hand geben bzw. an den Kopf werfen.

Es werfen mit: illuminati hotties, Mannequin Pussy, Melt-Banana, Black Flag, New Bomb Turks, Slaves, Idles, JOHN.

230 Design Thinking

Ihre Bedürfnisse, liebe Zuhörerinnen gleich welchen Geschlechts, haben wir mit den Werkzeugen des so genannten Design Thinkings erhoben, ausgewertet und daraus eine Struktur erarbeitet, mit der wir in Zukunft unsere Sendungen gestalten werden. Allen, die daran teilgenommen haben an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Und da wir uns im Zuge dieses Lernprozesses zur Transparenz verpflichtet sehen, wollen wir Ihnen die wirklich spannenden Ideen des Design Thinkings in dieser Sendung vorstellen.

An den Workshops haben zudem teilgenommen: Lewsberg, Kate Nash, Death in Vegas, Angus & Julia Stone, Dry Cleaning, Stereolab, Sophie Zelmani und The Chicks.

228 Ökonomie und Nonsens

Quelle: Unsplash, Fabian Wohlgemuth
Foto: Fabian Wohlgemuth

Zum Ausklang des vorangegangenen Jahres wurden – wie es sich seit Dekaden gehört – in den bürgerlichen Medien Jahresrückblicke verfasst, feuilletonistische Bestenlisten vorgestellt, die erstaunlichsten Dinge der letzten 12 Monate und die Sportler*Innen des Jahres gekürt.

Manchmal, aber nur manchmal, ragt ein Rückblick aus der Flut der retrospektiven Veröffentlichungen heraus.

In der Süddeutschen Zeitung zog deren Wirtschaftsredakteur Karl-Heinz Büschemann kurz vor Weihnachten ein Fazit des Covid-Jahres 2020, das man für die Dezember-Titel-Story der Zeitschrift Titanic hätte halten können.

Musikalische Begleitung durch: El Michels Affair, Siea, Gaye Su Akyol, Sudan Archives, Izabo, Cut Chemist, HaBonot Nechama

226 Fremde Arbeit, deutscher Lohn

Institutioneller Rassismus ist nie allein ein Rassismus der Institutionen. 

Die Wirkmächtigkeit gesellschaftlicher Überlegenheitsvorstellungen in all ihren Schattierungen speist sich auch aus tradierten Vorstellungen der politischen Subjekte – und damit aus dem Wechselspiel von Bewusstsein und den individuellen und kollektiven Rahmenbedingungen des Seins. 

Wir werfen in dieser Sendung einen historisch-materialistischen Blick auf den hiesigen Umgang mit Kolonial-, Fremd-, Zwangs- und Gastarbeit; und damit auf Spezifika des deutschen Rassismus. 

Mit uns untersuchen diesen Gegenstand: Ahadadream, Nneka, Arat Kilo, Symbiz & Awa, Nubiyan Twist, Kokoko! und clipping.

Eine digitale Kopie des genannten Blaubuchs kann über unseren Server eingesehen oder heruntergeladen werden: blaubuch.pdf (33,6 MB)

O-Töne aus dem Videomitschnitt: COLONIAL REPERCUSSIONS – Panel „Crimes committed by colonial Germany against the Herero and Nama“, Akademie der Künste, Berlin (January 2018)

224 Normalität – eine trostlose Hoffnung

Thomas Ebermann
München, 18.09.2020

Es findet derzeit – und dies meint: in einer globalen Pandemie – eine durchaus interessante politische Wahrnehmungsverschiebung statt. Während sich die versprengten Reste linker und linksradikaler Gesellschaftskritik weitgehend an die staatlichen Restriktionen halten, während sie versuchen umsichtig, mithin nicht andere Menschen gefährdend zu agieren, gerieren sich die faschistischen Milieus rebellisch, unangepasst und der in diesen Fällen zaghaften staatlichen Repression trotzend.

Überstehen kann den gesellschaftlichen Irrsinn nur, wer sich in diesen ungeheuren Zeiten einer materialistischen Kritik der Verhältnisse widmet. Nicht mit dem Anspruch der Formulierung unhinterfragbarer Weisheiten natürlich, sondern mit der Annäherung an die komplexen Strukturen der kapitalistischen Verwertungslogiken. Thomas Ebermann hat in diesem Herbst in München unter dem Titel „Normalität – eine trostlose Hoffnung“ auf einer Freiluftveranstaltung zum Thema Covid 19 referiert und in dem etwas über 2-stündigen Vortrag u.a. auch auf folgende Autor*innen und Künstler*innen verwiesen: Rob Wallace, Wolfgang Hien, Theodor W. Adorno, Georg Kreisler, Detlef zum Winkel, …

Wir präsentieren in den kommenden 60 Minuten Ausschnitte aus diesem Event, verbunden mit der Bitte um Verständnis für die teilweise doch begrenzte Audio-Qualität.

Musikalisch begleiten die Bands The Pack A.D., Idles, Unbite, Coriky.

223 Discussing Race

Discussing Race

Während der Faschismus an der Macht in den USA eine bis dato nicht für möglich gehaltene machtpolitische Volte nach der anderen dreht, ereilen einen hierzulande bei der Beschäftigung mit ähnlich gelagerten oppositionellen Diskursen nicht selten Déjavus.

Wurde das nicht alles schon einmal diskutiert? Müssten man und frau und alle anderen nicht inhaltlich bereits deutlich weiter sein? Sollten nicht bestimmte Denkmuster längst überwunden, rückwärtsgewandte Argumentationsstränge sich nicht längst erledigt haben?

Was sind die richtigen Analysen und Strategien zur Bekämpfung des institutionellen Rassismus vor dem Hintergrund der unterschiedlichen gesellschaftlichen Situationen und Bedingungen in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa?

Unter dem Eindruck der anhaltenden Eskalation des rassistischen Terrors und fortgesetzter Anti-Antifa-Aktionen in den USA, getragen von Teilen der Legislative, Judikative und Exekutive in Kollaboration mit faschistischen Milizen, steht parallel in Deutschland die Frage auf der Tagesordnung, wie der hiesige institutionelle Rassismus funktioniert und wie man ihm entgegentreten kann.

Die heutige Sendung basiert auf Beiträgen zur Debatte über Critical Whiteness-Theoreme und linke Bewegungspolitik

Musikalisch begleitet wird die Sendung von Goat Girl, Bonsai Kitten, Dykemann Family, Jack Lewis & Jeffrey Lewis und Orville Peck.