246 Der Stand der Dinge

Gute Unterhaltung, liebe Zuhörer:innen, wünschen Ihnen heute das Kommando Sonnenmilch, Bertolt Brecht, Franz Beckenbauer, die Merricks, Herr Bredel-Lüdenscheidt, Hortense and the Sound Dimension, Buffy Summers, Seu Jorge, Das Läuschen, das Flöhchen, das Türchen, das Besenchen, das Wägelchen, das Mistchen, das Bäumchen, das Mädchen, das Brünnchen, EA80, T-800 sowie die Redaktion 17grad Hamburg.

245 Die Metamorphosen Gottes

aus dem Nationalmuseum in Oslo

Vor kurzem hatten wir uns in der Sendung zu „Religion und Moderne“ bereits mit einer grundsätzlichen Einschätzung aktueller religiöser Entwicklungen beschäftigt. Diesen Faden wollen wir heute noch einmal aufnehmen und greifen in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Beitrag der Zeitschrift krisis zurück, den der Autor Norbert Trenkle verfasst hat. Unter der Überschrift „Die Metamorphosen Gottes“ befasste er sich mit dem inneren Zusammenhang von Religion und Kapitalismus. Das tun wir somit in den folgenden 60 Minuten ebenso.

Spirituell begleiten uns: The Slackers, Horace Andy, Stand High Patrol, Razoof, The Nextmen, Ghanaian Stallion + King Hanny & Zex BilangiLangi, Barrington Levy, Pupajim.

244 Hinterher ist man immer schlauer …

Elektronika MK 52

… diese Binsenweisheit führt in der Regel zu zwei möglichen Umgangsweisen mit Erkenntnissen, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung unvorhergesehen und deshalb häufig verstörend sind. 

Entweder, man analysiert seine Überzeugungen und Einschätzungen, unterzieht die bisherigen Gewissheiten – am besten in der Debatte mit anderen – einer kritischen Überprüfung und zieht, sofern man feststellt, dass man doch arg daneben gelegen hat, seine Schlüsse für aktuelle und zukünftige Gemengelagen. 

Damit einher geht in der Regel eine gewisse Zurückhaltung im Auftritt, denn eigene Fehleinschätzungen passen nicht gut zu diskursiver Großmäuligkeit.

Oder aber, man bewertet derartige Erkenntnisprozesse als abweichlerischen Opportunismus von Akteuren, die das früher Gesagte sowieso nie ernsthaft wollten bzw. nun einfach den Weg einschlagen, den alle anderen Renegaten vor ihnen ebenfalls gegangen sind. 

Der von so gut wie niemandem vorhergesehene Angriffskrieg der Putin-Clique sorgt in der radikalen, oder nennen wir sie besser: progressiven Linken für ein weiteres politisches Schisma. 

Die Monatszeitschrift konkret, die wir bisher diesem politischen Spektrum – und das nicht ohne Sympathie – zugerechnet haben, hat sich, was diesen Krieg angeht, in ihrer Märzausgabe mal so richtig und gründlich blamiert…

Nicht blamiert haben sich: Sampa the Great, MoNa a.k.a Sad Girl, Ghetts, Almost Famous und Nneka 

243 Leben ohne zu warten – Teil 5

Am 22. April 1892 wird Alphonse Gallaud de la Pérouse – genannt Zo d’Axa –, Herausgeber der Wochenzeitschrift L’En Dehors, in Paris  wegen „Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung“ verhaftet und nach einem Monat vorläufig entlassen. „Unsere arme Freiheit, immer noch vorläufig“, bemerkt er beim Verlassen des Gefängnisses ironisch.

Nach weiteren Veröffentlichungen, in denen er insbesondere die Strafverfolgungsbehörden kritisiert, droht Zo d’Axa schon kurze Zeit später erneut die Verhaftung. Um dieser zu entgehen, verlässt er Frankreich und reist über England nach Rotterdam, weiter auf einem Frachtschiff den Rhein hinauf durch Deutschland, besteigt einen Zug nach Italien, wird in Turin verhaftet und nach Österreich abgeschoben. Von Triest geht es weiter nach Griechenland, Istanbul und Jaffa. Kurz vor Jerusalem wird Zo d’Axa erneut verhaftet und nach Marseille überführt.

Hören Sie heute den 5. und letzten Teil seiner autobiografischen Erzählung „Leben ohne zu warten – von Mazas nach Jerusalem“. Viel Vergnügen.

242 Religion und Moderne

Bild: Eduard Gross

So einiges ist unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine über die Beweggründe des Autokraten und seiner Clique im Kreml geschrieben worden.
Putins ideologischer Schulterschluss mit der klerikalen russischen Orthodoxie wurde dabei insbesondere in der konservativen bürgerlichen Presse genauer analysiert.

Anlass für uns, sich mit dem grundsätzlichen Verhältnis von Religion und Moderne zu beschäftigen.

Lothar Galow-Bergemann, Publizist in Stuttgart, hat sich diesem Thema in 5 Thesen gewidmet, die er Anfang des Jahres in der Zeitschrift krisis veröffentlicht hat.

Wir lassen Sie an diesen Thesen in den kommenden 60 Minuten teilhaben. …

Musikalische Begleitung: The Black Keys, Bloc Party, All Them Witches, Calexico, The Wild Feathers, Jack White, Placebo

Pandemie trifft Klassengesellschaft

Reflexionen zur Corona-Pandemie, zur staatlichen Arbeitskraftbewirtschaftung und dem Gesundheitssektor.

Mittwoch, 25.05.2022 ab 19 Uhr in der AIDS-Hilfe München (Studio im Mittelbau), Lindwurmstraße 71 (Nähe U-Bahn Kapuzinerstraße). Die Teilnahme ist kostenlos.

Es referieren und diskutieren: Thomas Ebermann, Kabarettist und Publizist, und Nadja Rakowitz, Medizinsoziologin, Geschäftsführerin des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte (vdää) und im Bündnis Krankenhaus statt Fabrik. Die Moderation übernimmt Julia Killet (Kurt-Eisner-Verein/Rosa Luxemburg Stiftung Bayern).

Veranstalter:innern: DGB Bildungswerk Bayern, Kurt-Eisner-Verein/Rosa Luxemburg Stiftung Bayern, Linkes Bündnis gegen Antisemitismus München, Mittwochsdisko Dießen, NaturFreunde Deutschlands-Bezirk München e.V.

https://www.facebook.com/events/297870889160912/

241 Leben ohne zu Warten Teil 4

Am 22. April 1892 wird in Paris der Herausgeber der Wochenzeitschrift L’En Dehors  Alphonse Gallaud de la Pérouse – genannt Zo d’Axa – wegen „Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung“ verhaftet und im Gefängnis von Mazás in Untersuchungshaft genommen und nach einem Monat vorläufig entlassen.

„Unsere arme Freiheit, immer noch vorläufig“, bemerkt er beim Verlassen des Gefängnisses ironisch.

Nach weiteren Veröffentlichungen, in denen er insbesondere die Strafverfolgungsbehörden kritisiert, droht Zo d’Axa schon kurze Zeit später erneut die Verhaftung. Um dieser zu entgehen verlässt er Frankreich und reist nach England, wo er als Beobachter am Internationalen Bergarbeiterkongress in London teilnimmt. Eines Morgens dann besteigt er in Blackwall im Londoner Eastend  – „ohne große Überlegungen“, wie er sagt – ein Schiff nach Rotterdam.

Von dort fährt auf einem Frachtschiff den Rhein hinauf durch Deutschland, besteigt einen Zug nach Mailand, beobachtet dort den Strafprozess gegen anarchistische Demonstrantinnen, wird in Turin verhaftet, nach Österreich abgeschoben und reist schließlich über Triest per Schiff weiter nach Griechenland und Istanbul.

Hören Sie heute die 3. Fortsetzung der autobiografischen Erzählung „Leben ohne zu warten – von Mazas nach Jerusalem“ von Zo d’Axa.

239 Leben ohne zu warten Teil 3

Am 22. April 1892 wird in Paris der Herausgeber der Wochenzeitschrift L’En Dehors  Alphonse Gallaud de la Pérouse – genannt Zo d’Axa – wegen „Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung“ verhaftet und nach einem Monat vorläufig entlassen. „Unsere arme Freiheit, immer noch vorläufig“, bemerkt er beim Verlassen des Gefängnisses ironisch.

Nach weiteren Veröffentlichungen, in denen er insbesondere die Strafverfolgungsbehörden kritisiert, droht Zo d’Axa schon kurze Zeit später erneut die Verhaftung. Um dieser zu entgehen verlässt er Frankreich und reist nach England, wo er als Beobachter am Internationalen Bergarbeiterkongress in London teilnimmt. Eines Morgens dann besteigt er in Blackwall im Londoner Eastend  – „ohne große Überlegungen“, wie er sagt – ein Schiff nach Rotterdam.

Hören Sie heute den 3. Teil seiner autobiografischen Erzählung „Leben ohne zu warten – von Mazas nach Jerusalem.

238 Madonnas letzter Traum

Mehrmals wurde der deutsch-türkische Schriftsteller Doğan Akhanlı verhaftet. Zuletzt 2017 als „terörist“, wie viele Kritiker des Erdoğan-Regimes. „Akhanlı verbrachte zehn Tage in spanischer Haft und zwei Monate unter Meldeauflagen in Spanien, ehe er ausreisen durfte. Das war aber „nicht die erste und schon gar nicht die schlimmste Erfahrung, die er je mit einer Staatsmacht machen musste.“ Wie Deniz Yücel in seinem Nachruf in der Welt schrieb. 

Auf unserem Kongress zu Identitätskonzepten und deren Fragwürdigkeit, „Stolz und Vorurteil“, 2019 in München, war Doğan Akhanlı gemeinsam mit der Journalistin Cornelia Fiedler auf einem unserer Podien. Neben seinen Einschätzungen zu Identität, Ausgrenzung und Heimat hat er dort auch von seinen Erfahrungen mit Haft und Folter gesprochen. 

Am 31. Oktober 2021 verstarb Doğan Akhanlı nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin. Er wurde nur 64 Jahre alt. Die Nachricht von seinem Tod hat uns tief getroffen.

Hier können Sie den Mitschnitt aus dem moderierten Podiumsgespräch auf unserem Kongress „Stolz und Vorurteil“ aus dem Jahr 2019 hören. 

Musik: Fixi & Nicolas Giraud und Sudan Archives

Doğan Akhanlı