Archiv der Kategorie: Allgemein

162 Geld

GeldnotenGWG-Strich, das woll’n wir nicht! Diese Quintessenz antikapitalistischer Wertkritik in Verbindung mit den Ausführungen von Karl Marx zum Fetisch des Geldes, so meinten wir bisher, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, müsste als ideologisches Rüstzeug ausreichen, um das kapitalistische System kritisieren und im besten Fall bekämpfen zu können. Mehr und mehr kommen wir allerdings zu der Überzeugung, dass wir uns, um eine derartige Handlungsperspektive zu erarbeiten, auch mit dem Ding, mit dem Fetisch an sich beschäftigen müssen. Eine quasi materielle Ergänzung der materialistisch zu führenden Debatte also. Folgen Sie uns in den kommenden 60 Minuten zu dem Material des Äquivalents, in die Geschichte und Gegenwart des Geldscheins an sich, nicht für sich.
 

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160 Feiertage

China SpringfestivalLiebe Zuhörerinnen und Zuhörer, gegebenenfalls haben Sie es noch gar nicht mitbekommen: am 20. Juni gedenken die Deutschen fortan jedes Jahr der, wie das Bundesministerium des Inneren schreibt, „weltweiten Opfer von Flucht und Vertreibung und insbesondere der deutschen Vertriebenen“. Weiter erklärt die deutsche Bundesregierung, dass sie mit diesem Datum an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen anknüpfen und das Flüchtlingsgedenken um das Schicksal der Vertriebenen erweitern will.
Im Sinne eines aufgeklärten Geschichtsrevisionismus erwähnen die Verantwortlichen natürlich den Holocaust, wenn sie ihn auch nicht so benennen. Der 2. Weltkrieg ist laut BMI sehr wohl von Deutschland ausgegangen und die Juden landeten am Ende im Vernichtungslager. Aber, wieder Zitat: „Auch Millionen Deutsche mussten schließlich aufgrund von Flucht, Vertreibung, Zwangsumsiedlung und Deportation ihre angestammte Heimat verlassen.“
Und während wir in der Redaktion noch darüber nachdachten, wie wir dieses offensichtliche geschichtliche Patt gebührend begehen könnten, fiel uns ein interessantes Büchlein aus dem Verbrecher Verlag in die Hände, das uns dabei half, die generelle Funktion derartiger Gedenktage zu verstehen und uns gleichzeitig davor bewahrte, uns weiter mit diesem, nennen wir es vorsichtig: eigenwilligen deutschen Geschichtsverständnis auseinandersetzen zu müssen.
In dem empfehlenswerten Band „Umkämpfte Vergangenheiten – Die Kultur der Erinnerung im postjugoslawischen Raum“ schreibt der Regensburger Professor für Geschichte Südost- und Osteuropas, Ulf Brunnbauer, im Vorwort:

 

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148 Genese der Superhelden

… Die Tage der Menschheit sind gezählt: Finstere Außerirdische vom Planeten DeFunnyman Coverarth wollen die Erde unterjochen. Jeder Widerstand scheint zwecklos: Allein mit Gesten wirbeln die Invasoren Schiffe in die Luft, beschwören Blitze herauf und spülen Menschen mit gigantischen Flutwellen hinweg. Doch die Rettung naht: Quer durch den interdimensionalen Raum, über Lichtjahre hinweg, rast etwas mit unvorstellbarer Geschwindigkeit dem Planeten Dearth entgegen, um sich den Aggressoren in den Weg zu stellen. Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist… Funnyman! …

 

 

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144 Fußball in Israel

Clublogos Israel

Liebe Zuhörerinnen, werte Zuhörer,
willkommen zu einer neuen Sendung der 17grad-Redaktion. In unserer beliebten Reihe „Für den modernen Fußball“ präsentieren wir Ihnen in den folgenden 60 Minuten den Mitschnitt eines sportlichen Abends mit dem Kölner Publizisten, Schiedsrichter und Schiedsrichterausbilder Alex Feuerherdt zu Fußball und Fankultur in Israel. Die Veranstaltung fand im Januar im Jüdischen Museum München statt.

Ein überarbeitetes Skript der Veranstaltung finden Sie unter http://lizaswelt.net/

 

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142 Sack voll Argumente

Sack voll ArgumenteGuten Abend liebes Publikum, ich begrüße Sie und alle, die wieder eingeschaltet haben zu einer brandneuen Folge von -heit aber herzlich – ein Sack voll Argumente. Willkommen zu einer Stunde Information, Debatte, Diskurs, Inferno.

Das Thema meiner heutigen Sendung lautet diesmal „Die Schönheit“, mein Name ist Claudia März, wie immer im Studio: unsere Hausband „The Beautiful North“ mit dem schönsten Bandleader der Welt, Bela „the Look“ . …

 

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139 Stromlos glücklich

Vor einigen Monaten konfrontierten wir Sie mit dem Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag vom 7. April 2011. Darin wird beschrieben, welche Auswirkungen ein länger anhaltender großräumiger Stromausfall auf das tägliche Leben haben kann.
Für den kleinen Endverbraucher bedarf es allerdings keiner überlasteter Hochspannungskabel, explodierter Umspannwerke oder durchgebrannter Netzverteiler, um dieses Szenario hautnah erleben zu dürfen.
Immer mehr Menschen müssen einen immer höheren Anteil ihres verfügbaren Einkommens für Energiekosten aufwenden. Immer mehr Menschen können ihre Energie-Rechnungen nicht mehr bezahlen. Immer mehr Menschen werden von der Energie-Grundversorgung – Strom, Gas, Wasser – abgekoppelt.
Also: einfach mal Stromrechnung nicht bezahlen, und schwuppdiwupp geschieht das, was auf Amtsdeutsch so schön „Ausfrieren des Zahlungssäumigen durch Abstellen der Versorgung“ heißt.

Was aber tun, wenn der E-Herd nicht mehr warm wird, dafür aber der Kühlschrank? Sie im Dunkeln sitzen und auf dem Spirituskocher das Badewasser heiß zu machen versuchen? Und dabei auf jegliche von der Stromversorgung abhängige Information und Kommunikation verzichten müssen?
Viel bleibt da nicht. Vielleicht einfach mal rausgehen und sich ein schönes Konzert anhören. Am besten unplugged.

17grad – Radio für Krisenbewältigung präsentiert Musik von Sufjan Stevens, Bruce Springsteen, Digger Barnes, Brenda Kahn, Vic Chestnut und manch anderen – garantiert nicht-elektrifiziert.

 

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125 Veteranentag

Liebe Freundinnen und Freunde! Liebe Angehörige! Sehr verehrter Herr Staatssekretär! Kameraden!

Ein Aufschrei der Entrüstung ging durch die Gesellschaft, als Herr Verteidigungsminister Thomas de Maizière Anfang des Jahres seinen Plan zur Einführung eines Veteranentages in Deutschland der Öffentlichkeit präsentierte. Kopfschüttelnd nahmen wir die ablehnenden Kommentare zur Kenntnis, welche ihm aus der Medienlandschaft entgegenschallten.
Ein Veteranentag passe nicht nach Deutschland, hieß es. Von unangemessenem Pomp war die Rede, das Gespenst einer remilitarisierten Gesellschaft wurde beschworen und der Begriff „künstlich aufgepfropft“ fiel.

Wir hingegen, Interessengemeinschaft Veteranentag in Deutschland IVID, unterstützen den Vorschlag des Herrn Verteidigungsministers, wir unterstützen ihn vehement … aber nicht vorbehaltlos.

Hier sind unsere Forderungen.

Und verpassen Sie auf gar keinen Fall die erste Folge der zweiten Staffel von Überall – DIE Radionovela.

Kultur des Widerstands

Auszüge aus einem Vortrag von Thomas Ebermann zum Thema „Kultur des Widerstands – Vergegenwärtigung deutscher Täterschaft und Gedenken“ vom 24. Januar 2012 im Rahmen der Hamburger Ringvorlesung „Vergegenwärtigung von Erinnerung – Fragen und Antworten zum Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft“.

122 Erinnerungskultur

Nachdem man den Ruf der Überlebenden des Holocaust nach 1945 geflissentlich überhört hatte, nachdem sie verstummten und erst Ende der 60er, Anfang der 70erJahre eine leise Bereitschaft in Teilen der deutschen Gesellschaft bestand, zuzuhören und sie anzuregen, über ihre persönlichen Schicksale zu berichten, erst da bekam das Grauen und Morden durch die persönlichen Berichte der Opfer ein vages Gesicht und die unermesslichen Zahlen der Massenmorde wurden zu konkreten Namen.

Wie sieht Gedenken an den Holocaust heute aus? Wie wird er bestimmt und von wem wie gedeutet? Gibt es siebzig Jahre nach der Wannseekonferenz, die den Massenmord, der ja schon längst stattfand, vortrefflich zu lenken und verwalten verstand, eine Deutungshoheit und wenn ja, wer bestimmt den Diskurs? Wird der Genozid, nach dem die letzten Zeitzeugen verschwunden sein werden, einfach eingereiht in die deutsche Geschichte, die ja nicht gerade arm an Massenabschlachtung ist? Oder anders gefragt, wie wird das millionenfache Morden dieses mit am besten dokumentierten und erforschten Völkermordes seinen Platz in der deutschen Geschichte einnehmen? Wie werden die Stehlen und Stolpersteine sich neben den zahlreichen Schlachtendenkmälern behaupten?


Wenn man beispielsweise Herrn Reich-Ranicki im Bundestag sieht, diesen kleinen gebeugten alten Mann, flankiert von den höchsten Repräsentanten des Staates, dreißig bis vierzig Jahre jüngeren großgewachsenen Deutschen, auch dann stellt sich die Frage nach der Deutungshoheit in der Zukunft. Welchen Stellenwert wird diese große bewegende Rede in der Geschichte der Bundesrepublik einnehmen? Welchen Platz bekommt dieses Zeugnis?

Mit dieser und ähnlichen Fragen beschäftigte sich die Ringvorlesung „Vergegenwärtigung von Erinnerung – Fragen und Antworten zum Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft“, welche in den vergangenen Monaten an der Uni Hamburg stattgefunden hat.
17grad traf sich mit Janne Delin, einer der Initiatorinnen dieser Ringvorlesung.