Alle Beiträge von ernesto

198 Asoziale und Berufsverbrecher in den KZ

Im Juli 2018 stellte Julia Hörath im Hamburger Institut für Sozialforschung ihr Buch „‚Asoziale‘ & ‚Berufsverbrecher‘ in den Konzentrationslagern 1933-1938“ vor.
Die von den Nationalsozialisten als „Asoziale“ diskriminierten Menschen – z.B. Obdachlose, Wanderarbeiter, Bettler – wurden als „Ballastexistenzen“ bezeichnet“ und in den KZ durch ein schwarzes Stoffdreieck gekennzeichnet. Mit einem grünen Dreieck wurden solche KZ-Häftlinge gekennzeichnet, die durch ihr Verhalten „bewiesen“ hätten, dass sie einen inneren Drang zu kriminellen Taten verspürten und nicht resozialisierbar seien.

196 Kruzifix nochmal

Es begann alles ganz harmlos.
Wir dachten an nichts Böses, als Petra und Waldemar Hartmann sich das Konzert der
Horror-Rock-Band „Hot Devils“ anhören wollten.
Aber dann passierten Schlag auf Schlag die haarsträubendsten Dinge.
Und schließlich erfüllte sich unser aller Schicksal auf dem Friedhof des Grauens …

Verfälschte Zitate und Musik vom Großvater des Horror-Rock, Screaming Lord Sutch.

194 Verschwörungstheorien revisited

Herzlich Willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
zu einer Sendung der Redaktion 17grad.
Die folgende Stunde widmen wir all denen, welche sich nicht entblödet haben,
die unsägliche „Gemeinsame Erklärung 2018“ zu unterzeichnen.
Die Sendung ist zwar schon 15 Jahre alt, war aber leider offenbar nie so wertvoll wie heute.

192 Rauchen

Heute soll es um Genuss gehen. Und zwar um eine ganz spezielle Spielart, nämlich das Rauchen, von dem Oscar Wilde einst meinte: „Die Zigarette ist das vollendete Urbild des Genusses: Sie ist köstlich und lässt uns unbefriedigt.“ Das Ideal von Freiheit, wonach ein jeder tun und lassen kann, sofern er niemand anderem schadet, ist längst verschwunden, falls es jemals wirklich Bedeutung gehabt haben sollte. An seine Stelle ist die Diktatur der Gesundheitsvorsorge und der Selbstertüchtigung getreten. Wer jetzt noch raucht, schadet sich selbst, folglich dem Volkskörper und bedarf der Umerziehung. „Give the anarchist a cigarette“, sangen Chumbawamba; denn jedes Feuer braucht den Funken, der es entzündet.

190 The List

THE LIST – die Liste.
Veröffentlicht im Gorki Theater Berlin und abgedruckt im Tagesspiegel.
Die Daten werden vom europäischen Netzwerk United for Intercultural Action recherchiert und aktualisiert.
Die Künstlerin Banu Cennetoglu stellte THE LIST zusammen.
THE LIST dokumentiert die Namen von Asylsuchenden, Flüchtlingen und Migranten, die seit 1993 innerhalb oder an den Grenzen Europas gestorben sind.
Jeder Tote hat eine Zeile mit Herkunft und Todesdatum. Jede Zeile erzählt eine Geschichte.
THE LIST ist nicht aktuell und nicht vollständig. Sie wird täglich länger.

188 Luther

„Du, Katharina.“ …

Letzten Dienstag vor 500 Jahren wurde in Nürnberg ein edel aufgemachtes Buch gedruckt: „Die Geheuerlicheiten und eins Teils der Geschichten des loblichen streitbaren und hochberühmten Helds und Ritters Herr Teuerdank“ von Maximilian dem Ersten, Kaiser des Römischen Reiches.

Martin Luther hat es auch gelesen.

Hören Sie heute ein unterhaltsames Bildungshörspiel mit unterhaltsamer Bildungsmusik.

 

186 Sonic Warfare

Wohnen oder arbeiten Sie zufälligerweise im Karolinenviertel in Hamburg? Dann wissen Sie ja, wie es sich anfühlt, wenn viele Stunden lang mehrere Hubschrauber über Ihrem Viertel schweben. So geschehen während des G20-Gipfels. Da helfen dann auch keine Schallschutzfenster mehr.

Wir empfehlen in solchen Fälle ein Psyops-Training, also ein Training in Sachen psychologischer Kampfführung, wie es zum Beispiel Manuel Noriega in den 1960er-Jahren in Fort Bragg, dem Hauptquartier der US-Special-Forces, erhalten hatte.

Sie erinnern sich? Noriega? Das Ananas-Gesicht? Nachdem der Panamesische Machthaber bei den USA in Ungnade gefallen war, begann am 20. Dezember 1989 die US-Invasion in Panama. General Noriega flüchtete in die Päpstliche Nuntiatur, also in die diplomatische Vertretung des Vatikans. Um ihn zur Aufgabe zu zwingen, verfiel die Einheit für psychologische Kriegsführung auf die Idee, den Eingeschlossenen, dem unterstellt wurde, Rockmusik zu verabscheuen, mit Songs von unter anderem Alice Cooper und AC/DC kirre zu machen.

Viel Vergnügen mit der Sendung „Schall als Waffe“ wünschen Ihnen die Akustiker von 17grad. Und keine Sorge: es handelt sich dabei keineswegs um eine Wiederholung der Sondersendung „Vuvuzela“ von Juni 2010.

Wer mehr zum Thema „Schall als Waffe“ erfahren möchte, dem empfehlen wir wärmstens den Text „When Music Is Violence“ von Alex Ross, erschienen Juli 2016 im „New Yorker“ sowie die Vynil-Box „Martial Hauntology“, erschienen 2014 bei Audint Records.

184 Das ist doch der Gipfel

Einer der besten, aber am häufigsten missbrauchten Knoten ist der Kreuzknoten oder Reffknoten. Als Bändselknoten zum Reffen oder Bergen von Segeln oder um Pakete zu verschnüren ist er von unschätzbarem Wert. Aber als Verbindungsknoten (um zwei Enden zusammenzubinden) hat der Kreuzknoten wahrscheinlich mehr Tote und Verletzte auf dem Gewissen als das Versagen eines halben Dutzends anderer Knoten zusammen. Bei falscher Belastung kippt der Kreuzknoten zum Ankerstich und kann zum „Würgen“ verwendet werden.
Unser Beitrag zum G20-Gipfeltreffen 2017 in Hamburg: ein Parforce-Ritt durch die bürgerliche Berichterstattung.

182 Warum ich kein Christ bin

Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gäbe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so könnte niemand meine Behauptung widerlegen, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können. Aber wenn ich nun weiterhin auf dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen, ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in antiken Büchern die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde, dies jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von Exzentrizität werden. Es würde dem Zweifler, in einem aufgeklärten Zeitalter, die Aufmerksamkeit eines Psychiaters oder, in einem früheren Zeitalter, die Aufmerksamkeit eines Inquisitors einbringen.“ (Bertrand Russell, 1927)

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180 Vodka-Cocktails

cocktail„Die historische Wissenschaft hat große Anstrengungen daran gewendet, die Vorgeschichte der Russischen Revolution, ihre Ereignisgeschichte im Ablauf des Jahres 1917 und schließlich die Konsequenzen der Revolution für die folgende Umformung Russlands zu erforschen und eingehend zu beschreiben.
Der gedruckte Ertrag dieser Arbeiten ist inzwischen fast unübersehbar geworden, und der Satz, wonach diese Revolution einen nicht wieder umkehrbaren Wendepunkt in der Geschichte Russlands markiert, bedarf längst keiner gelehrsamen Fußnote mehr.
Es versteht sich, daß hinter all diesen Bemühungen ein weitergehendes Interesse stand und steht, die Frage nämlich, wie dieser Wendepunkt russischer Geschichte in größere, über Russland hinausgreifende Zusammenhänge historisch einzuordnen sei.
Wer von den Begebenheiten nicht nur berichten, sondern zu Maßstäben und Urteilen kommen will, wird nach der Bedeutung dieser Revolution für die Weltgeschichte unserer Zeit zu fragen haben.
Das freilich ist ein weites Feld, und eine Antwort, derer man tatsächlich sicher bleiben dürfte, findet sich nicht leicht.“
Also sprach der Historiker Dietrich Geyer am 17. Oktober 1967 zum 50 Jahrestag der Russischen Revolution. Weitere 50 Jahre später lässt sich feststellen, dass dieser „Wendepunkt der russischen Geschichte“ alles andere als unumkehrbar und die „Bedeutung dieser Revolution für die Weltgeschichte“ dann möglicherweise doch geringer als erwartet / erhofft / befürchtet (Nichtzutreffendes bitte streichen) ist. Eine gewisse Ernüchterung hat sich eingestellt.