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187 Mikrotargeting

Markus Spiske-UnsplashLiebe Zielgruppe,
wir könnten in den kommenden 60 Minuten viele Worte über Wahlen im allgemeinen und im besonderen verlieren, einige werden sogar meinen, wir müssten.

Wir wollen in der Tat nicht verhehlen, dass wir derzeit intensiver als bisher in der Redaktion der 17grad darüber diskutieren und manchmal sogar streiten, ob man sich an Wahlen beteiligen soll und wenn ja, was dann auf den entsprechenden Auswahlzetteln anzukreuzen wäre. Reicht das Argument, eine offen faschistische Formierung so klein wie es geht halten zu wollen aus, um sich an solcherart Schmarrn zu beteiligen? Kann man sich auf den Wahl’O’Maten verlassen, wenn dort die MLPD an erster Stelle der Übereinstimmung mit den eigenen persönlichen Politikzielen erscheint? Und wie funktioniert eigentlich die politische Willensbildung im 21. Jahrhundert bei gleichzeitiger kompletter Verblödung des Demos unter Einbeziehung aktueller Medientechnik? Zumindest als Antwort auf die letzte Frage wollen wir Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Möge sie uns zu den richtigen Schlüssen ermuntern.

 

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185 Lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen
Photo by Simson Petrol

Liebe Zielgruppe,
wenn Peter Tauber, der Generalsekretär der Christlich Demokratischen Union, davon spricht, dass, wer etwas Ordentliches gelernt hat, nicht mehrere Minijobs gleichzeitig brauche, ist das zwar einerseits weit weg von den realen gesellschaftlichen Verhältnissen, andererseits aber spricht er nur das aus, was die mehr als große Koalition der Kapitalismus-Apologeten seit vielen Jahren pre-digt: wer den zunehmenden Unwägbarkeiten des Arbeitsmarktes begegnen will, muss lernen, lernen und nochmals lernen. Ein Leben lang.
Lebenslanges Lernen ist eines dieser Schlagworte, die suggerieren und suggerie-ren sollen, dass beruflicher und damit auch gesellschaftlicher Erfolg oder Miss-erfolg ausschließlich vom Verhalten des Individuums im kapitalistischen Ver-wertungszusammenhang abhängt.
Wer sich bildet oder weiterbildet, der bringt es zu etwas. Wer es zu nichts ge-bracht hat, ist selbst Schuld, weil er oder sie die Grundprinzipen der damit ein-hergehenden Notwendigkeiten nicht berücksichtigt hat.
Interessant an diesem Lern- und Pädagogik-Diskurs ist, dass ihn alle politischen Akteure – gleich welcher Couleur – mit dieser Ausrichtung führen.
Ob nun CDU, Sozialdemokraten, Linke oder Gewerkschaften: sie alle propagie-ren, dass Ausbildung und anschließende permanente Weiterqualifizierung Ga-rantie dafür seien, nicht durch die sozialen Maschen der kapitalistischen Gesell-schaft zu fallen. Dass diese Maschen immer löchriger werden, daran hat die So-zialdemokratie mit all ihren neoliberalen Projekten der jüngsten Vergangenheit einen nicht unerheblichen Anteil. Aber die Aushöhlung des Sozialstaats wollen sie in diesem Zusammenhang nicht thematisiert wissen.
Die Quintessenz dieser Ignoranz objektiver gesellschaftlicher und ökonomischer Verhältnisse bedeutet: wer sich dem Lerndruck verweigert oder sich nicht genü-gend anstrengt, ist an seinem dann folgenden Schicksal selbst Schuld.
Dabei unterscheiden sich die Ansätze der genannten Akteure nur in Nuancen. Die einen predigen in Verbindung mit neoliberalem Deregulierungsinteresse, dass jeder seines Glückes Schmied sei. Die anderen fordern ein Quäntchen mehr sozialdemokratischen Versorgungsstaat mit Qualifizierungsgarantie. Für alle, die dies wollen.
Eine Ablehnung dieser Unvollkommenheitslogik, dass nämlich alle Individuen permanent an sich arbeiten müssen, sie also nie auch nur annähernd ausreichend qualifiziert sind, kommt bei allen genannten Gruppierungen nicht vor. Das ist auch nicht verwunderlich, denn dazu müssten sie das System Kapitalismus ver-stehen und auch noch fundamental kritisieren wollen.
Besonders sichtbar ist dieser Kollektivbetrug der hiesigen politischen Protago-nisten beim derzeitigen Dauerthema der Arbeitspolitik: der Digitalisierung.
Während sich die Produktionsbedingungen in fast allen Branchen rasant und massiv verändern, während nicht wenige Auguren mittelfristig ein dramatischen Verschwinden von Berufen und Jobs erwarten, kontern die besagten Politiker mit der Endlosschleife „Qualifizierung wird es schon richten“. Und das, obwohl eine ganze Reihe von gefährdeten Berufsbildern bereits von hochqualifizierten Marktteilnehmern geprägt ist.
Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren eine ganze Erwachsenenbildungsin-dustrie entwickelt, die die Bedingungen ihres Wirkens nicht hinterfragen will oder dazu nicht in der Lage ist.
Eine ganze Generation von im herkömmlichen Sinne gescheiterten Existenzen lebt heute davon, Kurse, Coachings und betreutes Leben anzubieten. Niemand ist perfekt, alle brauchen Optimierung, Widerstand ist zwecklos.
 

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183 Populismus

Die Stunde der PatriotenLiebe Zielgruppe,

wenn man in einer polit-zotigen Stimmung wäre, könnte man glatt sagen, dass den bürgerlichen und in der Regel natürlich etablierten Parteien gerade der Arsch auf Grundeis geht. Und das europaweit. Die so genannten Populisten setzen ihnen massiv zu oder haben sie bereits aus der Regierungsverantwortung gekegelt.

Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten geht vielen bürgerlichen Polit-Protagonisten auf, dass ihre Gestaltungsmacht auch in halbwegs stabilen gesellschaftlichen Verhältnissen kein Selbstläufer mehr ist.

Die Wahlergebnisse in Frankreich versprechen da keine Linderung.

Alle, die nicht mit einem Bündnis mit den populistischen Bewegungen liebäugeln, machen sich Sorgen. Weniger, so müssen wir unterstellen, weil sie die teils neu-faschistischen Formierungen – als die sie diese aber nicht erkennen wollen –, inhaltlich ängstigen, als vielmehr, weil ihnen hier organisatorische Konkurrenz erwächst.

Inhaltlich fällt ihnen die jeweilige Abgrenzung in den Kernthemen der so genannten Populisten äußerst schwer. Gemeinsam mit der so genannten Zivilgesellschaft versuchen sich die selbsternannten Hüter von Demokratie und Wahrhaftigkeit schon beinahe verzweifelt in eine Wettbewerbs-auseinandersetzung zu begeben, die, würden sie es ernst meinen, ihre eigenen ideologischen Grundpfeiler mehr erschüttern müsste, als es derzeit zu erkennen ist.

Heribert Prantl, seines Zeichens Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung und quasi das talkshow-erprobte zauselige Gesicht dieser Zivilgesellschaft, hat Mitte des letzten Jahres in seiner linksliberalen Tageszeitung die bürgerliche Verzweiflung und Ratlosigkeit, aber auch die Unfähigkeit zur selbstkritischen Reflexion auf den Punkt gebracht, als er sich unter der Überschrift „Mob und Mitte“ sowohl an einer Einordnung von AfD, Pegida, FPÖ & Co. versuchte, als auch eine beschämende ideologische Standortbestimmung der Demokratieverteidigung lieferte.

 

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181 Hayır

hayırLiebe Zuhörerinnen, werte Zuhörer,
am 16. April 2017 werden in der Türkei ca. 55,3 Millionen Wahlberechtigte und fast 3 Millionen türkische Staatsbürger im Ausland über ein Referendum abstimmen, das den derzeitigen Präsidenten Erdogan faktisch zum Diktator machen soll. Das Referendum wird somit noch im Ausnahmezustand, der nach dem Putschversuch vom Juli 2016 verhängt worden war, stattfinden.

Da er selbst zu ahnen scheint, dass er hin und wieder sein Brüllvieh mit dem Volk verwechselt, wird unnachgiebig jeder gejagt, der auf der Straße für ein „hayır“, ein Nein, wirbt. „Der 16. April“, so Recep Tayyip Erdoğan, „wird die Antwort auf den 15. Juli sein.“
Die Konsequenz ist ersichtlich: „Diejenigen, die ‚Nein‘ sagen, stellen sich auf die Seite der Verschwörer des 15. Juli.“ Einer von Erdoğans Prosekutoren, Cevdet Kayafoğlu, droht indessen ganz explizit, dass jedes „Nein“ einer „Unterstützung der PKK“ gleichkäme – mit den entsprechenden juristischen Konsequenzen.

Diese Sendung basiert auf Texten von Elke Dangeleit und Mustafa Sönmez sowie dem Blog cosmoproletarian-solidarity.

 

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170 Implex

KartographyLiebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wir begrüßen Sie auf das Herzlichste zu einer neuen Runde 17grad – Radio zur intellektuellen Reanimation des Klassenkampfgedankens.

In Zeiten, in denen alles Systemimmanente skandalisiert wird und in denen alle daran Beteiligten, also Sender und Empfänger wissen, dass der Skandal zu nichts führt außer zum Ressentiment, in derartigen Zeiten bedarf es einer systematischen Kritik der Zustände und ihrer Ursachen. Nein, dies ist weder eine Sendung über die so genannten Panama-Papiere und auch nicht über das befremdliche Empörungslevel bei Dopingvorwürfen in der englischen Premier-League geschweige denn ein Beitrag zur Frage, wie viel Geld an welche FIFA-Funktionsträger geflossen ist, um das deutsch-nationale Fußball-WM-Sommermärchen 2006 wahr zu machen.

Wir wollen uns vielmehr mit dem System beschäftigen. Oder, wenn Sie wollen, mit gesellschaftlichen Formationen, oder eben Zuständen. Und weil wir uns als Ihr Dienstleister in Sachen Aufklärung begreifen, haben wir, um den folgenden Beitrag zu extrahieren, ein knapp 900seitiges Werk gelesen, diskutiert und minimal redaktionell bearbeitet. Diese Sendung über Klassenaufklärung basiert auf dem Buch Der Implex – Sozialer Fortschritt: Geschichte und Idee von Barbara Kirchner und Dietmar Dath, erschienen im Suhrkampverlag. Das Buch, so die beiden Autoren, ist keine wissenschaftliche Monographie, kein Manifest, keine philosophische Abhandlung. Es geht allein darum, ein paar Aus- und Ansichten zu bündeln, die man im 18. und 19. Jahrhundert häufiger zu sehen und zu hören bekam als heute. Die Kernfrage lautet, ob so etwas wie sozialer Fortschritt gedacht und, wichtiger, gemacht werden kann.
 

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136 Tourismus

MassentourismusLiebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wir begrüßen Sie zu einer neuen Stunde 17grad, Radio zur Unterstützung globaler Mobilitätskonzepte.

Vor wenigen Tagen ging in Nürnberg die nunmehr fünfte Messe „Reise, Transport, Mobilität, Literatur“, kurz RTML, zu Ende. Wir haben uns für Sie dort umgesehen, haben Eindrücke und Trends gesammelt und mit Ausstellern und Besuchern gesprochen. Die neuen Reise-Highlights wollen wir Ihnen in den kommenden 60 Minuten vorstellen…